Kniechirurgie | Kantonsspital Graubünden

Kniechirurgie

Das Knie ist ein stark belastetes Gelenk. Seine Mechanik ist komplex. Nur ein optimales Zusammenspiel von Oberschenkelknochen, Kniescheibe und Schienbeinkopf, Bändern und Sehnen ermöglichen einen perfekten, stabilen Bewegungsablauf. Verletzungen der Knochen und Bänder durch Verdrehen sowie Abnützungsschäden und Arthrosen treffen Patientinnen und Patienten jeden Alters.

Kniearthrose ist eine Erkrankung, die die Kniegelenke betrifft und oft als "Verschleiss" oder "Abnutzung" beschrieben wird. Sie tritt auf, wenn der Knorpel, der normalerweise die Knochen im Kniegelenk schützt, abnimmt oder sich abnutzt. Dadurch reiben die Knochen direkt aufeinander, was Schmerzen, Steifheit und eine eingeschränkte Beweglichkeit verursachen kann. Die Arthrose kann das gesamte Knie oder aber auch nur einen Teil des Knies betreffen.

Die Ursachen für Kniearthrose können vielfältig sein, von altersbedingtem Verschleiss über Verletzungen bis hin zu genetischen Faktoren. Typische Symptome sind Schmerzen im Kniegelenk, insbesondere beim Gehen oder Treppensteigen, sowie Schwellungen und ein Gefühl der Instabilität.

Obwohl Kniearthrose nicht geheilt werden kann, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Funktion des Knies zu verbessern. Dazu gehören Physiotherapie, Schmerzmedikamente, Injektionen und bei fortgeschrittener Arthrose eine Operation. Mit einer Operation kann einerseits nur die Beinachse korrigiert werden. Bei einem vollständigen Verlust vom Knorpel muss auch eine Knieteilprothese oder Totalprothese implantiert werden. 

Ein Kreuzbandriss ist eine Verletzung, die das Kreuzband im Knie betrifft. Meist ist dabei das vordere Kreuzband betroffen. Das Kreuzband ist eine wichtige Struktur, die die Stabilität des Kniegelenks unterstützt, indem es das Schienbein mit dem Oberschenkelknochen verbindet.

Ein Kreuzbandriss tritt oft bei plötzlichen Bewegungen oder Traumata auf, wie zum Beispiel beim Sport, insbesondere bei Sportarten, die schnelle Richtungswechsel erfordern. Typische Symptome eines Kreuzbandrisses sind ein plötzlicher Schmerz im Knie, Schwellungen, Instabilität und manchmal ein hörbares "Knacken" oder "Knallen" zum Zeitpunkt der Verletzung.

Die Diagnose eines Kreuzbandrisses erfolgt sowohl durch die klinische Untersuchung als auch durch eine MRI-Untersuchung. 

Die Behandlung kann konservativ sein mit Physiotherapie zur Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Stabilität des Knies. In vielen Fällen ist eine Operation mit Rekonstruktion des gerissenen Kreuzbandes erforderlich. Faktoren die für eine Operation sprechen sind insbesondere Begleitverletzungen (Meniskus, Seitenbänder, Knorpel, Knochenbruch, …) sowie das Aktivitätsniveau des Patienten. Die Entscheidung wird aber immer zusammen mit dem Patienten getroffen und vorher detailliert besprochen und diskutiert. 

Sowohl bei der konservativen als auch bei der operativen Therapie ist eine intensive Physiotherapie unerlässlich um wieder ein stabiles und funktionierendes Knie zu erhalten. Kontaktsportarten oder sogenannte "Stopp-and-Go"-Sportarten sind in der Regel für neun bis zwölf Monate nicht erlaubt.

Wenn bei einer fortgeschrittenen Arthrose die konservativen Optionen ausgeschöpft sind und durch die Beschwerden der Alltag stark eingeschränkt ist, besteht die Möglichkeit ein künstliches Kniegelenk zu implantieren. 

Hier kann zwischen einer Knie-Totalprothese und einer Knie-Teilprothese unterschieden werden. 
Bei einer Knie-Totalprothese wird sowohl der gelenkbildende Anteil des Oberschenkelknochens (Femur) als auch der gelenkbildende Anteil des Schienbeins (Tibia) ersetzt. Zusätzlich wird bei ebenfalls stark abgenutztem Knorpel an der Rückfläche der Kniescheibe (Patella) auch hier ein Ersatz eingebracht. 

Bei einer Knie-Teilprothese wird jeweils nur der innere oder äussere Gelenksanteil von Schienbein und Oberschenkelknochen ersetzt. Dies setzt aber voraus das in dem anderen Anteil noch gute Knorpelverhältnisse vorherrschen. Eine Sonderform der Knie-Teilprothese ist der Ersatz des Gleitlagers des Oberschenkelknochens (Trochlea) für die Kniescheibe (Patella). Hier wird nur dieser Anteil am Oberschenkelknochen sowie die Rückfläche der Kniescheibe (Patella) ersetzt.

Die Entscheidung ob eine Total- oder Teilprothese implantiert werden kann hängt davon ab, welche Gelenkanteile am meisten abgenutzt sind. Zudem spielt es eine Rolle ob man eine gerade Beinachse oder eine davon abweichende Beinachse hat (O-Beine vs. X-Beine). Zusätzlich spielt es eine Rolle ob Voroperationen bestehen. 

Die Nachbehandlung läuft sowohl bei einer Knie-Totalprothese als auch bei einer Knie-Teilprothese sehr ähnlich ab. In der Regel wird für die ersten sechs Wochen eine Mobilisation an Gehstöcken verordnet, anschliessend kann die Belastung dann unter Begleitung der Physiotherapie stetig gesteigert werden. Wichtig ist vor allem in den ersten Wochen die Beweglichkeit zu trainieren, dies sowohl mit der Physiotherapie als aber auch eigenständig. 

Knorpelschäden am Knie sind eine häufige Erkrankung, die auftreten, wenn der Knorpel, der normalerweise die Knochen im Kniegelenk bedeckt und schützt, beschädigt oder abgenutzt wird. Diese Schäden können durch Verletzungen, Überbeanspruchung, altersbedingten Verschleiss oder andere Erkrankungen verursacht werden.

Die Diagnose von Knorpelschäden wird meist mittels Röntgen- und MRI-Bild gestellt. 
Anhand der Bilder kann sowohl die genaue Lokalisation als auch die Ausdehnung des Knorpelschadens bestimmt werden. Zudem können Begleitverletzungen wie z.B. eine Kreuzbandruptur oder Meniskusverletzungen diagnostiziert werden. 

Das Ausmass des Knorpelschadens sowie etwaige Begleitverletzungen beeinflussen dann die weitere Behandlung. Diese kann rein konservativ, also ohne Operation, mit begleitender Physiotherapie sein. Zudem kommen operative Versorgungen, die von einer reinen Anbohrung kleinerer Defekte bis hin zu Knorpeltransplantationen reichen, in Frage. Neben dem Ausmass des Knorpelschadens spielen aber auch Alter, Aktivitätsgrad sowie die Lokalisation des Knorpelschadens eine grosse Rolle in Bezug auf den Entscheid. 

Sollte es aufgrund einer ausgeprägten Fehlstellung der Beinachse (O-Bein vs. X-Bein) zu einer starken einseitigen Abnutzung am Kniegelenk kommen, besteht die Option einer Beinachsenumstellung. Hierbei wird aus einem O-/X-Bein ein gerades Bein gemacht um somit die Last besser verteilen zu können. Die Umstellung wird über eine sogenannte Umstellungsosteotomie durchgeführt, d.h. der Knochen wird nahe am Kniegelenk durchgesägt und dann entweder innen oder aussen aufgeklappt und somit die Achse korrigiert. 

Sowohl bei der konservativen als auch bei der operativen Behandlung hat die begleitende Physiotherapie einen wichtigen Stellenwert. 

Ihre Ansprechpersonen

Yves Acklin
Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie und Departementsleiter
Chirurgie

PD Dr. Dr. Yves Pascal Acklin

Stefan Demarmels
Leitender Arzt
Ärzte Orthopädie

Dr. med. Stefan Demarmels