Künstliche Intelligenz - Praxis aus dem KSGR, Analyse aus der FHGR | Kantonsspital Graubünden

Künstliche Intelligenz - Praxis aus dem KSGR, Analyse aus der FHGR

21. Sep 2022
Aus der Partnerschaft zwischen Kantonsspital Graubünden und Fachhochschule Graubünden ist das Ausbildungsmodul «Daten und Simulation in der Medizin» entstanden, in dem Studierende die Chancen künstlicher Intelligenz für das KSGR analysieren.
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Stefan Juon zusammen mit dem Studienleiter Data Science, Corsin Capol.
Stefan Juon (links), Co-Leiter ICT am KSGR, zusammen mit dem Studienleiter Data Science der FHGR, Corsin Capol

In einem Spital häuft sich eine enorme Menge an Daten an. Schon, wenn sich ein:e Patient:in bei der Patientenannahme anmeldet, fliessen die ersten Daten ins System. Danach geht es weiter: Bei der Anamnese, also dem Erfassen der bisherigen Patienten- und Krankheitsgeschichte, werden weitere Daten erfasst. Hinzu kommen dann beispielsweise Laborwerte, Befunde, Allergien, EKG-Daten und so weiter und so fort.
 

Daten nutzen, um effizienter und besser zu werden

Wie kann man diese Daten nun nutzen, um die Behandlung effizienter, schneller und sicherer zu machen? Sie müssen analysiert werden. Aber wer tut das? Kann allenfalls künstliche Intelligenz (KI) einen Beitrag dazu leisten? Diese und viele weitere Fragen können und sollen im Modul «Daten und Simulation in der Medizin» des Bachelor-Studienganges «Computational and Data Science» an der Fachhochschule Graubünden (FHGR) diskutiert und beantwortet werden. Den Link in die Praxis – und damit zum Kantonsspital Graubünden – machen dabei Martin Pfund und Stefan Juon, die beiden Co-Leiter ICT am KSGR.
 

Erste Durchführung des Moduls

Seit Anfang Sommer ist klar, dass Juon und Pfund im entsprechenden Modul der FHGR unterrichten werden. Es geht dabei darum, den Studierenden angewandt die Grundlagen zu vermitteln, wie mit Data Science und Informatik aktuelle Aufgabenstellungen in einem Spital gelöst werden können. Für Martin Pfund steht bei der Premiere des Moduls insbesondere der Praxisbezug im Vordergrund: «Uns ist es wichtig, dass wir nahe am Alltag des KSGR bleiben. Wir wollen uns nicht in Theorien verlieren, sondern anhand konkreter Beispiele analysieren, wo welche Daten vorhanden sind und wie diese genutzt werden können.»
 

Praxisnähe anhand konkreter Beispiele

So wird beispielsweise ein fiktiver Patientenpfad simuliert: «Wir stellen uns vor, dass Patientin X ins KSGR eintritt. Sie hat dann zum Beispiel einen Termin bei der Radiologie. Dort könnte ein Karzinom erkannt werden und ihr Pfad führte X weiter zur Chirurgie und zur Onkologie. Dazwischen müsste sie allenfalls zur Blutentnahme.» An jedem Ort, so Pfund, werden unterschiedliche Daten von verschiedenen Systemen erhoben.
 

Künstliche Intelligenz am richtigen Ort einsetzen

Jetzt geht es aber darum zu analysieren, wo welche Daten erfasst worden sind und vor allem, wie diese Daten genutzt werden können – und genau hier kommt nun das Modul an der FHGR zum Zug. Bislang spielt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens KI eine vergleichsweise kleine Rolle: «Der Anteil bei Digitalisierungsprojekten beträgt im Moment nur wenige Prozent», erklärt Pfund und ergänzt: «Dabei könnte sie beispielsweise genutzt werden, um Laborwerte zu analysieren und gegebenenfalls bei der Entscheidfindung einer Ärztin bezüglich Therapien hilfreich sein.» Gleichzeitig gelte es abzuwägen, wo der Einsatz von KI überhaupt Sinn ergibt. «Es gilt immer auch, Aufwand und Ertrag miteinander abzuwägen. KI kann und soll nicht überall und zu jedem Preis eingesetzt werden.» Hier verortet Pfund dann auch eines der Haupt-Lernziele des Moduls: «Wir wollen die Studierenden dazu befähigen, die relevanten Daten zu erkennen, sie auszuwählen und aufzuzeigen, wie sie verwendet und aufbereitet werden können. Ausserdem sollen die Studierenden in der Lage sein, zu erkennen, wo KI in der Medizin sinnvoll einsetzbar ist und ihr Potential am besten entfalten kann.» Natürlich werden dabei nur fiktive Daten verwendet.
 

Bewährte Zusammenarbeit zwischen KSGR und FHGR

Die Zusammenarbeit zwischen der FHGR und dem KSGR ist nicht neu. «Unsere ICT arbeitet bereits erfolgreich zusammen mit der FHGR. Wir wollen verstärkt gemeinsame Projekte durchführen. Aber auch wenn es um die Rekrutierung von Fachkräften geht, bietet die Kooperation viele Vorteile.» So arbeiten heute bereits Studierende der FHGR als Praktikanten am KSGR. Insgesamt erhoffen sich das KSGR, sich durch den Unterricht und die Praktika bei den Studierenden als attraktiver Arbeitgeber mit spannenden Aufgabenfeldern positionieren zu können."