Zurück im Leben – Tag der Reanimation | Kantonsspital Graubünden

Zurück im Leben – Tag der Reanimation

12. Dez. 2025
Der erste Tag der Reanimation ist vorbei, aber eine Tradition lanciert: Es geht im nächsten Jahr weiter. Denn: Die Reaktionen der Betroffenen haben gezeigt, dass das Sprechen über Reanimation ein Bedürfnis ist.

Vor kurzem fand im Kantonsspital Graubünden (KSGR) der erste Begegnungsnachmittag für Überlebende einer Reanimation statt. Unter dem Motto «Zurück im Leben – Tag der Reanimation» folgten Betroffene, Angehörige, Einsatzkräfte und Interessierte der Einladung.

Der Start war emotional: Zwei Überlebende schilderten in ihren Erlebnisberichten, wie es für sie war. Und die Reaktionen der Betroffenen im Publikum zeigten, dass viele sich in den Berichten wiederfanden. Alle spürten, wie tief Betroffene und Angehörige auch Monate später noch unter den Eindrücken stehen, wie aber auch das Erzählen hilft, die Erlebnisse zu verarbeiten.
80 Reanimationen pro Jahr.

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Tag der Reanimation 2025
Ein Überlebender schildert die Geschichte seiner Reanimation und der Zeit danach.

2024 hat das KSGR rund 80 Reanimationen betreut. Knapp ein Drittel der Betroffenen konnte das Spital mit einem guten neurologischen Outcome wieder verlassen. Eindrücklich auch diese Zahlen: Die Rate des primären Reanimationserfolgs (ROSC) liegt innerklinisch bei ca. 60 Prozent, präklinisch bei ca. 45 Prozent. Übrigens: In der Schweizer Datenbank des Interverbandes für Rettungswesen SWISSRECA, werden die nationalen präklinischen Reanimationsdaten gesammelt (2024 ca. 7'000 Einträge), analysiert und publiziert.
 

First-Responder und Überlebenskette

Die First-Responder-Organisation der Alpinen Rettung hat mit 487 Mitgliedern eine nahezu flächendeckende Präsenz in Graubünden, wie Dominic Schier ausführte. Er ist Verantwortlicher Graubündner Institut für Patientensicherheit und Simulation (GRIPS), Dipl. Experte Anästhesiepflege NDS HF, Rettungssanitäter und verantwortlich für die First Responder der Alpinen Rettung GR.

Es zeigte sich, wie wichtig die Überlebenskette ist und wie Systeme und Organisationen helfen können, Leben zu retten. Verbunden damit war ein Ausblick auf notwendige Massnahmen zur Verbesserung der Reanimationschancen (zum Beispiel «Basic Life Support für alle») und mögliche Umsetzungen in der Region. Besonders hervorgehoben wurden die Chancen, Reanimation und Erste Hilfe als Schulfach zu etablieren.

Nach der Pause, in der die Teilnehmenden die eigenen BLS-Kenntnisse am Reanimationsphantom inklusive AED-Einsatz auffrischen konnten, berichte Intensivmediziner Dr. Andreas Frischknecht über die Phase nach der Reanimation sowie über Möglichkeiten, Organfunktion und neurologisches Outcome zu verbessern. Gleichzeitig wies er auf die Grenzen hin – insbesondere darauf, dass Patientinnen und Patienten trotz erfolgreicher Reanimation leider versterben. Ergänzend schilderten Notärztin Dr. Anna-Staschia Janett und Rettungssanitäter Gian-Martin Sommerau ihre persönlichen Erfahrungen während Einsätzen mit Reanimationsdiagnose und teilten die Gedanken, die ihnen dabei durch den Kopf gehen. Abschliessend berichtete Spitalseelsorger und Care-Team-Verantwortlicher Niklaus Rohrer über seine unterstützende Rolle bei Reanimationen.
 

Neues Netzwerk

Der Tag war auch der Startschuss für das Netzwerk „Zurück im Leben“. Interessierte konnten sich mit ihren Kontaktdaten eintragen; die Liste wird an jene weitergegeben, die ausdrücklich ihre Bereitschaft zum Austausch signalisiert haben, sodass Vernetzung und gegenseitige Unterstützung auch künftig möglich sind.

Dr. Helge Junge, Stv. Ärztlicher Leiter Rettung Chur, Stv. Chefarzt Anästhesie und Leiter Graubündner Institut für Patientensicherheit und Simulation (GRIPS) sowie Präsident des Swiss Resuscitation Council sagt: «Die Rückmeldungen waren überwältigend: Alle – insbesondere Betroffene und Angehörige – bezeichneten die Veranstaltung als notwendig und äusserst gelungen. Eine Wiederholung im kommenden Jahr wurde ausdrücklich gewünscht.»

Für Dr. Junge und sein Team ist deswegen klar: Eine Veranstaltung, die sich bewusst der Zeit nach einer erfolgreichen Reanimation widmet, wird es auch im nächsten Jahr geben – und zwar am 12. Dezember 2026. Junge: «Wir hoffen, Betroffenen eine Plattform zu bieten, die über die bestehenden Rehabilitationsangebote hinaus zur Verbesserung der Lebensqualität beiträgt – und vielleicht langfristig zur Entstehung einer Art Selbsthilfegruppe führt.»