«Wir können heute mehr in Chur machen als früher» | Kantonsspital Graubünden

«Wir können heute mehr in Chur machen als früher»

14. Jan. 2026
Zurück in Chur: Mauro Tini ist seit rund 100 Tagen Chefarzt der Pneumologie am Kantonsspital Graubünden. Im Interview erzählt er, wie er die Pneumologie weiterentwickeln will, warum er sich auf den Sommer freut und welches legendäre Churer Lied ihm wieder in den Sinn gekommen ist.

Mauro, du bist nun seit etwas mehr als 100 Tagen Chefarzt Pneumologie: Wie hast du deinen Start erlebt?

Wie ich es erwartet hatte: Viel Neues hat mich erwartet. Dabei meine ich vor allem die Organisation, denn schliesslich ist jedes Spital anders organisiert. Aber meine Kolleginnen und Kollegen haben mich nicht nur sehr gut und lieb aufgenommen, sondern mich eben auch unterstützt bei all meinen Fragen und mir geholfen, die Abläufe kennenzulernen.
 

Du warst ja schon mal in den 2000ern bei uns und bist auch in Chur aufgewachsen: Wie hat sich das Spital in dieser Zeit entwickelt?

Es ist alles viel professionalisierter, viel spezialisierter geworden, so wie eben die Medizin auch immer spezialisierter geworden ist. Und das hilft natürlich den Patientinnen und Patienten: Wir können in vielen Fachbereichen viel mehr in Chur machen im Vergleich zu früher. Patientinnen und Patienten müssen für Behandlungen deutlich seltener ausserkantonal Hilfe suchen. Man musste früher viel schneller nach Zürich, sobald es etwas komplizierter wurde.
 

Und wie war das bei der Abteilung Pneumologie? Gab es die damals überhaupt schon?

Ja, die gab es, aber das kann man gar nicht mehr vergleichen. Als ich damals als Assistenzarzt wieder nach Chur kam, bestand die Pneumologie aus einem Leitenden Arzt mit einem Pensum von rund 50 Prozent, die restliche Zeit war er damals in seiner Praxis tätig. Heute sind wir über zehn Ärztinnen und Ärzte auf der Pneumologie und Schlafmedizin in Chur und Walenstadt, im Schlaflabor gehört jetzt neu z.B auch ein Psychiater zum Team.
 

Wo willst du mit deinem Team hin?

Wir wollen uns weiterentwickeln und beispielsweise die endoskopischen Eingriffe und Abklärungen ausbauen, sodass sich die Wartezeiten für Patientinnen und Patienten verkürzen. Gerade bei Tumorabklärungen ist das wichtig, da möchte man verständlicherweise möglichst rasch eine Antwort haben. Zudem starten wir gerade mit einem neuen schlafmedizinischen Angebot: Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Diese wird Menschen mit Schlafstörungen ebenfalls eine grosse Unterstützung bieten können.
 

Wie hat sich das Fach Pneumologie seit den 2000er-Jahren entwickelt?

Nur ein Beispiel: Die Bronchoskopie, also die Lungenspiegelung, erlaubt es heute, nicht nur viel einfacher Abklärungen zu machen und zu den notwendigen Gewebeproben zu kommen, sondern wir können einzelne Eingriffe resp. Behandlungen auch direkt durchführen. Das ist für die Patientinnen und Patienten besser, weil weniger invasiv.
 

Und wie hat sich Chur seit dieser Zeit verändert?

(lacht) Chur hat sich sehr stark verändert seit dieser Zeit. Als ich als Jugendlicher in den Ausgang ging, gab es einfach die Untere und die Obere Gasse mit ihren sieben, acht Lokalen. Man musste gar nichts abmachen, sondern man wusste stets, wo man wen treffen würde. Das hat alles ganz gut funktioniert ohne Handy (lacht), man hat immer jemanden getroffen. Das war grossartig. Und ich erinnere mich auch noch an viele Läden in der Altstadt für Alltagsgegenstände, das findet man heute alles in den grossen Einkaufszentren. Chur ist auch touristischer geworden, das ist aber eine Entwicklung, die an vielen Orten ähnlich verlief. Andererseits finde ich heute in der Altstadt Geschäfte mit einem speziellen, exklusiven Angebot mit qualitativ hochwertigen Gütern.

Ich freue mich sehr auf den Sommer und die Berge, schliesslich sind das Berge, die ich mit Kollegen und der Schulklasse oft bewandert habe. Kürzlich ist mir sogar das Churer Stadtlied wieder spontan in den Sinn gekommen, das ja immer nach dem Maiensässumzug gesungen wird. Das sind bleibende Erinnerungen.
 

Wie fühlt es sich an, wieder hier zu sein?

Ich bin in erster Linie dankbar. Als Nachkomme italienischer Einwanderer habe ich in Chur und in der Schweiz alle Möglichkeiten für meine persönliche und berufliche Entwicklung geniessen dürfen. Jedes Mal, wenn es am Kantonsspital einen Wechsel auf der Chefarztposition in der Pneumologie gab, hat man mich gefragt, ob in nun als Churer endlich zurückkomme (lacht). Das habe ich überhaupt nicht als selbstverständlich empfunden. Die berufliche Rückkehr nach Chur hat aber in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Der richtige Zeitpunkt kam erst jetzt.