Traumberuf Pflegefachverantwortliche auf der Kinderintensivstation (KIPS) 27. Juli 2021 Verschiedene Mitarbeitende der Kinderintensivstation (KIPS) geben einen Einblick in ihren Alltag. Sie teilen persönliche Erlebnisse, erzählen warum sie sich für ihre Ausbildung entschieden haben und verraten was sie an der KIPS so schätzen. Hier im Gespräch: Claudia Winterstein, Pflegefachverantwortliche. Worin besteht für dich der Reiz auf einer neonatologischen Kinderintensivstation zu arbeiten? Die Neonatologie und die Intensivmedizin sind für mich interessante und herausfordernde Fachbereiche der Pädiatrie. Sie befinden sich im stetigen Wandel und es gibt immer wieder etwas Neues. Das ist für mich interessant. Sie können einem das Adrenalin mal ganz schnell in die Höhe treiben und sie erfordern vor allem in Krisensituationen eine intensive Beziehungsarbeit mit den betroffenen Familien und mit sich selbst. Das ist für mich herausfordernd. In der Neonatologie verbringen die «frisch gebackenen» Familien zum Teil ihre ersten Wochen bis Monate. Da gibt es oft wunderbare und häufig schwere Momente. Den Pflege- und Behandlungsprozess zu unterstützen und die «Aufs und Abs» bis zum Austritt zu begleiten, ist für mich die grösste Freude. Es ist toll zu beobachten, wie sich die Kinder entwickeln und welche ungeahnten Kräfte in den kleinen Kämpfern stecken. Und es ist grossartig zu sehen, wie die betroffenen Eltern sich mit ganz viel Mut, Zuversicht sowie Geduld in ihrem Eltern-Sein Schritt für Schritt entwickeln. Wir unterstützen die Familien dabei: mit dem Einbezug in die Pflege und Behandlung ihrer Kinder und mit ganz vielen Gesprächen. Der Fachbereich der Neonatologie steht am Anfang eines neugeborenen Kindes, einer neuen Familie und wir haben die Chance, diesen schwierigen und von Trennung geprägten Start so kind- und familienorientiert wie möglich mitzugestalten. Wir haben Einfluss. Das gefällt mir. Die Momente, in denen wir keinen Einfluss haben, erfordern sehr viel Akzeptanz und Gefühl von jedem von uns. Und sie gehören auch dazu. In unserem starken und fürsorglichen Team unterstützen wir uns gegenseitig, diese Momente, diese Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Du arbeitest als Pflegefachverantwortliche IMC auf der Kinderintensivstation und bist Mitglied im ANP-Team der Kinderklinik. Was sind genau deine Aufgaben und warum hast du dich dafür entschieden? Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Ich liebe die Herausforderung. Ich lerne unheimlich gerne und gebe mein Wissen und meine Erfahrungen sehr gerne weiter, in der Praxis, in Beratungen und Schulungen. Im Rahmen der Pflegefachverantwortung kann ich meine persönlichen Interessen und meine Fachkompetenzen aus der Berufspraxis sowie dem Pflegestudium BScN wunderbar kombinieren und ausüben. Im Überwachungsbereich führe ich zur Sicherung und Förderung der Pflegequalität Praxisbegleitungen in der direkten Pflege durch. Als Mitglied des ANP-Teams der Kinderklinik bin ich in enger Zusammenarbeit mit der Pflegexpertin an der Mitgestaltung der Pflegeentwicklung auf der Kinderintensivstation beteiligt. Die Erarbeitung von Konzepten und die Mitarbeit bei der Implementierung vom Clinical Assessment sind neben dem Management von Akutsituationen weitere Aufgaben in der Pflegefachverantwortung. Des Weiteren unterstütze ich unsere Mitarbeiter bei der Umsetzung der patientenorientierten Pflege auf der Kinderintensivstation. Jedes Kind und seine Familie erhalten in der Regel eine pflegerische Begleitperson vom Eintritt bis zum Austritt. Diese Verantwortung beinhaltet Aufgaben der Koordination, Delegation und Beziehungsarbeit im Kontext des Spitalaufenthaltes. Sie ist vor allem in komplexen Pflegesituationen in Bezug auf Austrittsvorbereitung, Elternschulung und interdisziplinärer Zusammenarbeit von höchster Wichtigkeit. Auch bei der Umsetzung des Pflegeprozesses wirke ich unterstützend: in regelmässigen Abständen überprüfe und bespreche ich zusammen mit der Pflegefachperson die Dokumentation und Anwendung der Pflegediagnostik. Und so ganz allgemein bin ich Ansprechperson für sämtliche Fragen oder Anliegen im Hinblick auf die evidenzbasierte Pflegepraxis. Eine weitere Funktion von dir ist die Stillberatung. Warum ist diese Arbeit auf einer neonatologischen Intensivstation so wichtig und was machst du da genau? Als Stillberatung IBCLC übernehme ich die direkte Beratung der Mütter und Väter hinsichtlich der Thematik des Stillens. Auf der Neonatologie ist diese Arbeit von grösster Wichtigkeit. Die Früh- und Neugeborenen profitieren in jeder Sicht von der protektiven Ernährung mit Muttermilch und von dem Bindungsaufbau während des Stillens. Erhalten die Frauen die benötigten Informationen und werden sie in ihrem Engagement kontinuierlich unterstützt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit des ausschliesslichen Stillens in den ersten Lebensmonaten nach der Geburt. Und das ist unser gemeinsames Ziel. Die Betreuung und Unterstützung der stillenden Frauen bietet unser gesamtes Pflegeteam der Kinderintensivstation an. Damit dies funktioniert, führe ich kontinuierlich Schulungen und Beratung unserer Mitarbeiter durch. Ich befähige unser Pflegeteam dazu, die betroffenen Frauen von der Milchbildung bis zum aktiven Stillen im Grundsatz zu begleiten und zu unterstützen. In herausfordernden Situationen, werde ich als Fachperson gerne zu Rate gezogen. Eine weitere Aufgabe in meiner Funktion als Stillberaterin ist die fachliche Führung der internen Frauenmilchbank der Kinderintensivstation. Alle Frühgeborenen im Alter von bis zu 32 Schwangerschaftswochen und/oder einem Gewicht von unter 1'500g erhalten bei uns gespendete und pasteurisierte Frauenmilch. Mit dieser Massnahme kann das Risiko für eine schwere Darmentzündung des Frühgeborenen signifikant gesenkt werden. Diese Erkrankung verläuft in einigen Fällen sogar tödlich und gibt uns Anlass genug, die Ernährung von Frühgeborenen mit Spendermilch zu ermöglichen. Die Bereitstellung und Verarbeitung der Nahrung für die Früh- und Neugeborenen sowie für die Säuglinge muss unter hygienisch einwandfreien Bedingungen durchgeführt werden. Als fachliche Führung der Milchküche sorge ich in enger Zusammenarbeit mit der Stationsleitung der Kinderintensivstation für die korrekte Umsetzung des Betriebs- und Behandlungskonzeptes der Milchküche der Kinderklinik. Wie bewältigst du die Arbeit in der Pflegepraxis und was tust du, um dich zu erholen? Neben meiner Tätigkeit in der direkten Pflege, arbeite ich mit einem Pensum von 30 Stellenprozent in der Stillberatung und dies kombiniert mit 20 Stellenprozent in der Pflegefachverantwortung. Es gibt klar definierte Büro- und Beratungszeiten und ich bin als Ansprechperson mehrheitlich unter der Woche im Frühdienst tätig. Unter diesen Bedingungen lassen sich die beiden Funktionen effektiv umsetzen. Was ich zur Erholung tue? Sonne, Strand und Meer Waldspaziergänge und Bergwanderungen «Quatsch machen» und «Quatschen» mit Familie und Freunden Bild Pflegefachverantwortliche Claudia Winterstein bei ihrer Arbeit auf der Kinderintensivstation (KIPS)
Bild Pflegefachverantwortliche Claudia Winterstein bei ihrer Arbeit auf der Kinderintensivstation (KIPS)