Jahresbericht 2024: Viel erreicht, Herausforderungen bleiben | Kantonsspital Graubünden

Jahresbericht 2024: Viel erreicht, Herausforderungen bleiben

30. Apr. 2025
Viele Erfolge prägten das Jahr 2024: Nebst der Sicherung der Kinderintensivstation standen die Etablierung des Tumorzentrums sowie die Digitalisierung im Vordergrund, ebenso das Thema Ausbildung und damit die Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Die finanziellen Perspektiven bleiben aufgrund der zu tiefen Tarife äusserst anspruchsvoll.

Das Jahr 2024 war trotz sehr schwierigem Umfeld von zukunftsweisenden Erfolgen geprägt. Hugo Keune, CEO des Kantonsspitals Graubünden (KSGR), sagt: «Allen voran natürlich die Sicherung der Kinderintensivstation. Wir bedanken uns für die immense Unterstützung der Bevölkerung.» Daneben konnte das KSGR auch grosse Schritte in der Digitalisierung machen: Die Automatisierung manueller Tätigkeiten mit Hilfe von Softwarerobotern und das neue Portal für die Pflegerichtlinien sind zwei Beispiele. Besonders erfreulich ist die Etablierung des Tumor- und Forschungszentrums. Unter der Regie des Leiters des Tumorzentrums, Prof. Dr. med. Roger von Moos, und des Leiters der Onkologie am KSGR, Prof. Dr. med. Richard Cathomas, erhielt das KSGR die Rezertifizierung «Swiss Cancer Network» der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie und Onkologiepflege sowie neu diese Zertifizierungen (Zertifikate mit Empfehlung der Deutschen Krebsgesellschaft DKG):

•    Viszeralonkologisches Zentrum unter Leitung von Prof. Dr. med. Ingo Klein
•    Darmkrebszentrum unter Leitung von Dr. med. Rebecca Kraus
•    Pankreaskarzinomzentrum unter Leitung von Prof. Dr. med. Ingo Klein 
•    Prostatakrebszentrum unter Leitung von PD Dr. med. Räto Strebel
•    Brustkrebszentrum unter Leitung von Dr. med. Peter Fehr
 

Ausbildung und neues Gebäude

Ausbildung ist und bleibt ein wichtiger Teil im KSGR: Alleine 2024 waren 814 Auszubildende in Berufslehre (110 junge Menschen), Praktika und Studiengängen engagiert. Zudem bietet das KSGR zwei neue Lehrberufe an: ICT-Fachperson EFZ sowie Medizinprodukttechnologe / -login EFZ (einzig in GR). Ebenso wichtig wie die Ausbildung ist die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten. Hugo Keune: «Die Weiterempfehlungsrate ist herausragend, das freut uns sehr und zeigt, was für einen fantastischen Job unsere Mitarbeitenden in allen Berufsgruppen jeden Tag machen.» Erfreulich ist auch, dass sich der zweite Teil des Neubaus im Zeitplan befindet und die Eröffnung vor der Wintersaison 2026/27 erfolgen wird. Ständerat Dr. iur. Martin Schmid, Präsident der Stiftung Kantonsspital Graubünden, sagt: «Die Schwerpunkte des Neubaus auf die hochinstallierten Bereiche und die ambulanten Behandlungen haben sich bis heute bewährt und sind in Einklang mit den Trends in der medizinischen Versorgung.» Bis Ende 2024 hat das KSGR 500.4 Millionen CHF investiert, davon sind gut 75 % bzw. 375.3 Mio. CHF der Arbeiten in der Ostschweiz vergeben worden. Ein Tag der offenen Tür wird voraussichtlich Ende August 2026 stattfinden.
 

Solides Geschäftsjahr

Noch immer sind die Tarife viel zu tief und gleichen nicht einmal annähernd die Teuerung aus. Damit wird gewollt ein grosser Druck auf die Organisation ausgeübt. Hugo Keune: «Unter diesen sehr schwierigen Umständen sind wir mit dem Ergebnis knapp zufrieden.» So lag der Betriebsertrag bei 543.4 Millionen CHF (+5.3 % zum Vorjahr) und der Sach- und Personalaufwand bei 514.7 Millionen CHF (+5.6 % zum Vorjahr). Dies ergibt einen EBITDA, das Betriebsergebnis vor Finanzergebnis und Abschreibungen, von 28.7 Millionen CHF (+0.3 % zum Vorjahr). Das Unternehmensergebnis nach Abschreibungen und Finanzergebnis liegt bei -339'000 CHF. Die EBITDA-Marge beträgt 5.3% im Berichtsjahr 
(-20 Basispunkte zum Vorjahr). Das Kantonsspital Graubünden behandelte 2024 in der gesamten Gruppe total 25'644 stationäre Patientinnen und Patienten (+2.9 % zum Vorjahr). Der ambulante Ertrag stieg von 146.0 Millionen CHF auf 148.9 Millionen CHF (+2.0 % zum Vorjahr). Keune: «Die Nachfrage nach unseren Leistungen hat nochmals zugenommen, was aber wegen der nicht kostendeckenden und schweizweit tiefsten Tarife nicht zu einem besseren Ergebnis führt, im Gegenteil.»
 

Herausforderungen bleiben

Martin Schmid: «Die Herausforderungen gerade und vor allem auch für ein Zentrumsspital sind äusserst anspruchsvoll. So treiben immer neue bürokratische Vorschriften, Reformen und Planungen die Kosten in die Höhe – ohne Zusatznutzen für Patientinnen und Patienten. Und bei allem Verständnis für die zunehmenden politischen Forderungen nach mehr Unterstützung für die regionale Versorgung: Es braucht auch und gerade Unterstützung für die spezialisierte Versorgung im Kanton, weil sonst die Zentrumsversorgung in Graubünden gefährdet ist. Die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung im Kanton braucht ein starkes Zentrumsspital. Das wird eine noch stärkere Zusammenarbeit unter den Leistungserbringern erfordern.»

Im Fokus stehen aber noch immer die viel zu tiefen Tarife: Krankenkassen sperren sich gegen Preisanpassungen – und dies trotz sehr hoher und sehr klar ausgewiesener Teuerung, obwohl den Prämienzahlenden diese Kostensteigerungen weiter verrechnet werden. Festsetzungen werden verzögert und vor Gericht aufwändig bekämpft. So kommen Liquidität und Investitionen der Spitäler massiv unter Druck. Martin Schmid: «Es ist beeindruckend, wie sich unsere Mitarbeitenden auch unter diesen sehr schwierigen Bedingungen mit enormen Engagement für die Patientinnen und Patienten in der Südostschweiz eingesetzt haben.»
 

Mehr Informationen erhalten Sie im Jahresbericht 2024.