Innovationen am KSGR: Schonende, minimal-invasive Herzklappentherapien | Kantonsspital Graubünden

Innovationen am KSGR: Schonende, minimal-invasive Herzklappentherapien

09. Apr. 2026
Das Kantonsspital Graubünden (KSGR) baut als Herzzentrum der Südostschweiz seine Expertise in der interventionellen Kardiologie weiter aus: Insbesondere ältere Patientinnen und Patienten mit Herzklappenerkrankungen können minimal-invasiv direkt vor Ort behandelt werden.

Herzklappenerkrankungen nehmen mit dem Alter deutlich zu. Je älter die Betroffenen sind, desto weniger sind klassische offene Herzoperationen aufgrund der Invasivität für sie geeignet. Katheter-gestützte Verfahren bieten hier eine entscheidende therapeutische Alternative: Sie sind weniger belastend, ermöglichen einen kürzeren Spitalaufenthalt und verbessern die Lebensqualität bis ins hohe Alter.
Die interventionelle Kardiologie blickt auf fast ein Jahrhundert voller Innovationen zurück. Während früher vorwiegend die Behandlung der Herzkranzgefässe im Zentrum stand, liegt heute der Fokus auf strukturellen Eingriffen wie katheterbasierten Herzklappenbehandlungen. Diese Entwicklung ermöglicht es, komplexe Klappenprobleme effektiv zu behandeln – auch bei älteren Menschen und Menschen, die von mehreren chronischen Erkrankungen betroffen sind.

Zwei innovative Behandlungsmethoden wurden direkt am KSGR oder in enger Zusammenarbeit mit spezialisierten Kliniken erfolgreich umgesetzt:
 

Der MitraClip™: neue Lebensqualität für ältere Menschen

Ist die Mitralklappe undicht (ein sogenanntes Segelventil im Herzen, das zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer liegt), fliesst Blut zurück in den Lungenkreislauf – mit Folgen wie Atemnot, Ermüdung, Herzrasen und Wassereinlagerungen.

Beim MitraClip™-Verfahren wird über die Leistenvene ein Katheter unter Röntgen- und Ultraschallkontrolle bis zur Mitralklappe geführt. Dort wird ein kleiner Clip platziert, der die Klappenränder zusammenführt und die undichte Stelle reduziert. Der Eingriff erfolgt unter Narkose und erlaubt in der Regel eine Entlassung bereits am übernächsten Tag. Die minimal-invasive Therapie eignet sich besonders für ältere resp. herzschwache Patientinnen und Patienten oder solche mit mehreren chronischen Erkrankungen.
 

TAVI: Die Standardbehandlung für Menschen über 75

Der transfemorale Aortenklappenersatz (TAVI) hat die Behandlung der schweren Aortenklappenverengung grundlegend verändert. Diese Herzklappenerkrankung ist die häufigste bei älteren Menschen: zwei bis fünf Prozent der über 75-Jährigen sind betroffen. Wird sie nicht behandelt, kann sie das Herz schwächen und zu Herzversagen oder sogar zum plötzlichen Herztod führen.
TAVI kann die Lebensqualität und die langfristige Prognose deutlich verbessern. Für Menschen über 75 Jahre oder Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko ist TAVI heute die bevorzugte Therapie – und ersetzt in den meisten Fällen die offene Operation am Brustkorb.
Die grössten Vorteile von TAVI sind der minimal-invasive Zugang über die Leiste, die Durchführung in Lokalanästhesie sowie die rasche Erholung.
 

Erste Erfolge im KSGR

Das KSGR bietet eine umfassende Abklärung, Risikostratifizierung und Beratung für Patientinnen und Patienten mit Herzklappenproblemen unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen und sozialem Umfeld. Seit September 2024 werden im KSGR Patientinnen und Patienten erfolgreich mit dem MitraClip™ behandelt – unterstützt durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Zürcher Stadtspital Triemli, einem der grössten Schweizer Zentren für hochspezialisierte Klappeneingriffe.
Im KSGR werden auch Patientinnen und Patienten zu möglichen TAVI-Eingriffen abgeklärt und beraten. Der Entscheid zur TAVI wird gemeinsam mit den Spezialisten des Herz-Teams des Triemli gefällt. Die Eingriffe finden im Triemli statt, wobei Matthias Meyer, der Chefarzt Kardiologie am KSGR, zur Sicherstellung der gesamten Behandlungskette immer vor Ort ist.
 

Zugang zu modernsten Therapien

Durch die Netzwerk-Organisation mit einem grossen HeartValve Center stärkt das KSGR seine Rolle als medizinisches Kompetenzzentrum und Herzzentrum der Südostschweiz. Das Modell sichert Patientinnen und Patienten den Zugang zu modernsten Therapien – ohne lange Anreisewege.

Am KSGR arbeiten spezialisierte interventionelle Kardiologinnen und Kardiologen eng mit Expertinnen und Experten für kardiale Bildgebung, Herzschwäche, Rhythmusstörungen sowie mit Anästhesie, Intensivmedizin, Radiologie, Neurologie und Geriatrie zusammen. Diese interdisziplinäre Struktur ermöglicht eine umfassende und hochwertige Versorgung im Kanton Graubünden.