Innovationen am KSGR: Massgeschneiderte Handwurzelprothesen als Alternative zu Versteifungen 05. Nov. 2026 Mit patientenspezifischen Prothesen für Handwurzelknochen beschreitet das Kantonsspital Graubünden neue Wege in der Handchirurgie. Die gemeinsam mit internationalen Partnern entwickelte Methode soll bei schweren Schädigungen des Handgelenks Schmerzen lindern und gleichzeitig Beweglichkeit, Stabilität und Kraft besser erhalten als bisherige Behandlungsverfahren. Das Handgelenk besteht aus mehreren Handwurzelknochen, die durch verschiedene Bänder zusammengehalten werden und so eine funktionelle Einheit bilden. Schwere Schädigungen von Handwurzelknochen wie Mondbein (Lunatum) und Kahnbein (Scaphoid) können die Beweglichkeit und Belastbarkeit des Handgelenks dauerhaft einschränken. Ursachen sind häufig Durchblutungsstörungen oder Verletzungen nach einem Unfall. Ist der betroffene Knochen zu stark geschädigt, lässt er sich oft nicht mehr rekonstruieren.Bisher kamen in solchen Fällen sogenannte Rettungsoperationen zum Einsatz. Dabei wird der zerstörte Knochen entfernt und das Handgelenk teilweise versteift oder um eine Handwurzelreihe verkleinert. Diese Verfahren können zwar Schmerzen lindern und eine gewisse Funktion erhalten. Sie gehen jedoch meist mit einem Verlust an Beweglichkeit und Kraft einher. Zudem verändert sich die natürliche Mechanik des Handgelenks, was langfristig zu weiteren Verschleisserscheinungen führen kann.Dr. med. Mathias Häfeli, Chefarzt Handchirurgie am Kantonsspital Graubünden (KSGR), hat deshalb gemeinsam mit Prof. Dr. Philipp Honigmann vom Handzentrum Pratteln sowie Geert Streekstra, Iwan Dobbe und Joris Oonk vom Universitätsklinikum Amsterdam UMC, eine neue Behandlungsoption entwickelt: Patientenspezifische Prothesen für Mondbein und Kahnbein mit gleichzeitiger Bandrekonstruktion.Individuell für jedes Handgelenk entwickeltDie Anatomie des Handgelenks ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Herkömmliche Prothesen konnten diese individuellen Unterschiede nur bedingt berücksichtigen. Ein ungenauer Sitz könnte zu Fehlbelastungen und Instabilitäten führen.Die neuen Implantate werden deshalb individuell auf die jeweilige Anatomie abgestimmt. Das ermöglicht eine möglichst präzise Passform und soll dazu beitragen, die natürlichen Bewegungsabläufe innerhalb des Handgelenks besser zu erhalten. Bild So sieht eine patientenspezifische Prothese für das Mondbein aus, bevor sie eingesetzt wird. Prothese und Bandrekonstruktion in einem EingriffEntscheidend für die Funktion des Handgelenks sind nicht nur die Knochen, sondern auch die umliegenden Bänder. Sie sorgen dafür, dass die Handwurzelknochen stabil zusammenarbeiten.Die entwickelte Technik kombiniert die Implantation der Prothese deshalb mit einer Rekonstruktion der wichtigsten Bänder. Dadurch wird das Implantat stabil im Handgelenk verankert und gleichzeitig die Grundlage für eine möglichst natürliche Funktion geschaffen.Erste Erfahrungen sind vielversprechendDie bisherigen Erfahrungen zeigen, dass patientenspezifische Prothesen eine vielversprechende Alternative zu den bisherigen Rettungsoperationen sein können. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, sowie Beweglichkeit, Stabilität und Kraft des Handgelenks möglichst lange zu erhalten und den Betroffenen damit ein hohes Mass an Lebensqualität zurückzugeben.