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Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist wie die grossen Gelenke (Hüfte, Knie, Schulter) im Alter häufig von Abnutzungsveränderungen betroffen, die jedoch nicht vom Gelenkknorpel, sondern von den Bandscheiben ausgehen.
Chronische Rückenbeschwerden im Lendenbereich sind ein Volksleiden. Mit physiotherapeutischen Massnahmen versucht man in der Regel, den Bandapparat und die Rumpfmuskulatur zu stärken, um die Beschwerden zu lindern. Bleiben diese Massnahmen trotz Einsatz zusätzlicher Schmerzmedikamente erfolglos, ist eine Versteifungsoperation (Spondylodese) oft der einzige Weg zu einem Beschwerde ärmeren Leben.

Halswirbelsäule

Der Bandscheibenverschleiss an der Halswirbelsäule führt zu chronischen Nackenbeschwerden mit gelegentlich schmerzhaften Ausstrahlungen in die Arme. Am häufigsten betroffen sind die beiden untersten Bandscheiben der Halswirbelsäule. Falls konservative Massnahmen nicht zum Erfolg führen, ist auf längere Sicht eine vordere Versteifungsoperation unumgänglich.
Dabei werden die abgenutzten Bandscheiben ausgeräumt und durch Beckenkamm-Knochenspäne ersetzt. Zusätzlich werden die betroffenen Halswirbel mittels einem Titanplättchen überbrückt. Eine Versteifung von bis zu fünf Halswirbeln ist mit dieser Operationstechnik möglich.
Bei der Polyarthritis können die Bandverbindungen zwischen dem Atlaswirbel und dem zweiten Halswirbel durch entzündliche Prozesse zerstört werden. Dadurch resultiert eine schmerzhafte Instabilität zwischen den beiden Wirbeln mit vermehrtem Gleiten des Atlaswirbels gegenüber dem zweiten Halswirbel nach vorne. Dies führt zu chronischen oberen Nackenschmerzen.
In dieser Situation ist nur eine hintere Verschraubung der beiden Gelenke zwischen den Wirbeln erfolgversprechend. Die Gelenkverschraubung hat allerdings eine Einschränkung der Kopfdrehung nach beiden Seiten zur Folge.

Brustwirbelsäule

Schwere Abnutzungsveränderungen der Brustwirbelsäule sind selten und bedürfen nur in Ausnahmefällen einer Versteifung. Bei schmerzhafter Rundrückenbildung (Kyphose) kann die Brustwirbelsäule mittels einem Schrauben-/Stabsystem von hinten aufgerichtet werden. Dabei werden je zwei Titanschrauben in die betroffenen Wirbelkörper eingebracht und mittels zwei Längsstäben miteinander fixiert. Zusätzlich muss Knochen, meistens vom linken hinteren Beckenkamm entnommen, beidseitig seitlich angelagert werden, damit sich eine feste knöcherne Verbindung zwischen den Wirbeln einstellt.

Lendenwirbelsäule

Die zwei untersten Bandscheiben der Lendenwirbelsäule sind von  Verschleisserscheinungen am häufigsten betroffen. In fortgeschrittenen Fällen können jedoch sämtliche Bandscheiben der Lendenwirbelsäule abgenutzt werden, wobei sich häufig eine Fehlform im Sinne einer nach links oder nach rechts ausladenden Verkrümmung (Skoliose) der Lendenwirbelsäule entwickelt. Hier eignet sich zur längerstreckigen hinteren Versteifung ebenfalls ein Schrauben-/ Stabsystem, mit welchem auch die Verkrümmung teilweise oder weitgehend korrigiert werden kann.
Bei massiv höhengeminderter Bandscheibe können zusätzlich von hinten ein oder zwei Platzhalter (Bandscheibenkäfige aus Titan oder Kohlefaserstoff) zur Wiederherstellung der ursprünglichen Bandscheibenhöhe in den Bandscheibenraum eingebracht werden.
Bei eher leichterem Bandscheibenverschleiss mit jedoch schmerzhafter leichter Instabilität zwischen zwei Lendenwirbeln kann vor allem bei jüngeren Patienten als Alternative zur Versteifung eine dynamische Stabilisierung mittels einem Schrauben-/Kordelsystem durchgeführt werden. Dabei werden die eingebrachten Titanschrauben nicht mittels Längsstäben, sondern mit röhrenförmigen Kunststoffdämpfern miteinander verbunden. Durch letztere wird eine leicht elastische Kordel eingezogen, welche an den Titanschrauben fixiert wird. Die reissfeste Kordel begrenzt die Beugebewegung, während die Kunststoffdämpfer die Wirbelgelenke in der richtigen Position halten und die Überstreckbewegung limitieren. Dadurch kann eine Überbelastung der Wirbelgelenke und der Bandscheiben abgefangen werden. Die dynamische Stabilisierung ist jedoch auf maximal drei Bandscheibenfächer beschränkt. Massive abnutzungsbedingte Veränderungen der Lendenwirbelsäule können zur Einengung des Rückenmarkskanals führen. Dabei treten bereits nach relativ kurzer Gehdistanz starke Schmerzen und ein Schwächegefühl in den Beinen auf, welche den Betroffenen zwingen, kurzfristig abzusitzen, worauf die Beschwerden jeweils nach zwei bis drei Minuten Dauer wieder verschwinden. Nach kurzer Gehdistanz treten diese jedoch wieder auf. Die Einengung des Rückenmarkskanals ist einerseits durch den Verschleiss der kleinen Wirbelgelenke, welche durch Vergrösserung den Kanal von beiden Seiten einengen, andererseits durch die Verdickung der Bänder zwischen den Wirbelbögen, die zu einer Einengung des Kanals von hinten führen, verursacht. In dieser Situation drängt sich bei entsprechenden Beschwerden eine Erweiterung des Rückenmarkskanals mittels beidseitiger längsovaler Fensterung auf, wobei die in den Rückenmarkskanal hineinragenden inneren Gelenksanteile und die verdickten Bänder zwischen den Wirbelbögen entfernt werden. Die Erweiterung des Rückenmarkskanals kann auch in Kombination mit einer hinteren Versteifungsoperation erfolgen.