Kunst I Kantonsspital Graubünden

Kunst - Art & Health

Kunst zeichnet seit jeher Menschen und ihre Tätigkeiten aus. Sie bereichert Orte ganzheitlich, was gerade in einer Gesundheitsumgebung, wo Menschen genesen, eine wichtige Rolle spielt.

Kunst stellt Fragen, gibt Impulse in der Lebensgestaltung und ist für Patientinnen und Patienten, Besuchende und Mitarbeitende Orientierungspunkt, emotionale Anregung oder einfach ein kleiner Glücksmoment über das Alltägliche hinaus.

Am KSGR findet man Kunst als «Kunst und Bau», wo sie seit dessen Gründung 1941 im Zeitgeist der jeweiligen Bau-Etappe, Einzug in die Architektur hielt. Mobile Werke sind an öffentlichen Orten und in Patientenräumen vertreten. Daneben laden Ausstellungen regelmässig zur Auseinandersetzung mit Themen im Gesundheitsbereich ein. 

Ausstellungen am KSGR

Bild
Mark Henley
Mark Henley, Fotograf «Das KSGR und seine Menschen»

Die Werke entstanden während einer Artist Residency von zweimal einer Woche im Februar/März und März/April 2023. Henley wurde dann für kurze Zeit Teil des «Organismus» KSGR, wo er die Menschen entspannt und auf Augenhöhe erlebte. Quer durch den Spitalalltag, über alle Hierarchiestufen hinweg und in allen Funktionen von Medizin, Pflege, technischem und administrativem Personal hielt er Momente des Alltäglichen, die Summe der Emotionen fest: Freude, Trauer, Beanspruchung, Entspannung bis hin zur Erschöpfung.
 

Mark Henley *1966, Genf/CH

Henley (zweimal Swiss Press Photographer of the Year) gelingt es immer wieder mit seinen Fotos, Menschen in ein sozialkritisch wertschätzendes und respektvolles Licht zu stellen. Im Vordergrund seiner Arbeit steht die Fragilität der Menschen, deren Beanspruchung und Vernetzung untereinander. 

Während Spitäler die letzten 20 bis 30 Jahre in unserem Bewusstsein zu Kostenverursachern reduziert wurden, wurde uns spätestens seit COVID die Rückgratfunktion der Spitäler in unserer heutigen Gesellschaft wieder bewusst. Egal ob in modernen oder historischen Gebäuden, ob ländlich oder urban, ob Spezialkliniken oder Grundversorgungsinstitutionen einer Region, bestehen diese immer aus den Menschen, die dort arbeiten und sich engagieren. Diesen Menschen schenkt Henley sein «Objektiv» und dadurch Beachtung und Respekt. 

Bild
Strijdom van der Merwe - Steine bunt geschichtet
Strijdom van der Merwe - Steine bunt geschichtet

Strijdom an der Merwe *1961, Stellenbosch/ZA

Der südafrikanische Land Art Künstler Strijdom van der Merwe arbeitete während eines Monats (August/September 2022) rund um die Standorte des Kantonsspitals Graubünden. Er verwendet für seine Werke, die zumeist nur für «Momente» leben, vorhandene Materialien aus Natur und Spital. Fotos halten diese kurzen «Lebens-Momente» fest und machen uns durch seine Augen unsere alltägliche Umgebung wieder bewusst.

Land Art ist Kunst, die im kurzen Moment zwischen Werden, Sein und Vergehen lebt. Parallelen zum menschlichen Leben und dem, was am Kantonsspital Graubünden praktiziert wird.

Die vielen Menschen mit Infusionsbeuteln, die der Künstler während seines Aufenthalts täglich sah, inspirierten ihn. Die «magische Flüssigkeit», die den Patient:innen damit zugeführt wurde und diese heilt, hat die Idee entspringen lassen, ein Werk zu realisieren, das - analog zu den Patient:innen - «wiederbelebt» wird. Er entschied sich für saugfähige Sandsteine aus Staad/SG und liess rote Tinte aus Infusionsbeuteln über Tage und Wochen auf die Steine tropfen.

Van der Merwe meint dazu: «We can revive nature and correct our mistakes from the past. Nature needs our input. We are nature.» (Wir können die Natur wiederbeleben und unsere Fehler aus der Vergangenheit wieder gut machen. Die Natur braucht unseren Input. Wir sind die Natur.)

Kunst und Bau

Für ihr 20-Jahr-Jubiläum hat sich die Rettung Chur selbst ein Geburtstagsgeschenk in Form eines Street-Art-Werks vom international arbeitenden Churer Künstler Bane gemacht. Der Themenwahl voraus ging ein Fotoshooting mit den Mitarbeitenden in ihrem Alltag. Zur Umsetzung ausgewählt wurde dann vom Team gemeinsam mit dem Künstler eine dramatische Alltagsszene aus einer speziellen Perspektive. Diese wurde vom Künstler in zwei Wochen auf der vorgesehenen Wand zum Eingang des Gebäudes realisiert. 

Während Street-Art ihre Wurzeln in den 70er-Jahren New Yorks hat, wo ihr noch der Geruch des Guerilla-mässigen anhaftete, ist diese Kunstform inzwischen in der «Kunstwelt» angekommen und hat international sogar Einzug in diverse Museen gehalten. 
 

Technik

Streetart

Standort: Kreuzspital, Aussenwand Verwaltungsgebäude

Bild
Ein Moment im Alltag der Rettung Chur, Wandbild von Fabian Florin alias Bane am Standort Kreuzspital
Ein Moment im Alltag der Rettung Chur, Wandbild von Fabian Florin alias Bane am Standort Kreuzspital

«SCARCH: SCulpture-ARCHitecture» ist eine wichtige Gruppe von Projekten in Vitals Schaffen, die Skulpturen und Architektur verbindet, und sich über die ganze Welt verteilt.

Das Werk «SCARCH» in Chur fügt sich nahtlos in die Reihe dieser Werke ein. Not Vitals tiefer Verbindung mit seiner Heimat Graubünden und seiner Reverenz an diesen Ort haben wir es zu verdanken, dass er für das Kantonsspital Graubünden dieses Werk geschaffen hat.

Die begehbare Stahlskulptur in Form einer «8» verweist auf die Bedeutung dieser Zahl als Glückssymbol in vielen Kulturen und ist ein Appell an die Ewigkeit. Symbolik sowie numerologische Zusammenhänge haben in Vitals Werken eine grosse Bedeutung. Symbolisch ist für den Besucher auch der Übergang. Man besteigt die «8» über eine Treppe und verlässt sie über eine andere – so wie man krank oder verletzt ins Spital kommt und dieses gesund wieder verlässt.

Das Werk ist begehbar und wirkt unabhängig davon auch als skulpturales Statement und Landmark auf dem Spitalplatz.
 

Technik

Stahlskulptur, geschweisst, lackiert
Masse: H: 5.5 m, B: 8.2 m, T: 4 m
G: 11.8 to

Standort: Spitalplatz, Hauptstandort

Bild
«SCARCH: SCulpture-ARCHitecture» von Not Vital auf dem Spitalplatz am Hauptstandort
«SCARCH: SCulpture-ARCHitecture» von Not Vital auf dem Spitalplatz am Hauptstandort

Schon der Titel «Prima Cucina» spielt mit den zwei Bedeutungen «Beste Küche», die Gäste hier erwartet, aber auch mit «Allererste Küche» der Kindheit, an die sich die Künstlerin zurückerinnert.

Zilla Leutenegger verknüpft in diesem Werk Elemente ihrer eigenen allerersten Küche mit augenzwinkernden Animationen: Eine Uhr, die die aktuelle Zeit anzeigt und ständig läuft. Der Kochtopf, dem von Zeit zu Zeit Dampf entweicht und die rote Lampe über dem Tisch, die an und ausgeht. Im Deckenbild findet sich diese rote Lampe wieder. «Protagonistin» ist die Wassermelone, denn nichts symbolisiert für Leutenegger so sehr die Vergänglichkeit der Dinge und die Schönheit des flüchtigen Moments wie ein «süsser, saftiger Schnitz einer Melone».

Der Mix von Sgraffito und Monotypie/Frottage verleiht der Arbeit Dreidimensionalität und erinnert an die Tradition der Sgraffiti-Häuser des Engadins. Die Arbeit weckt Neugierde und vermittelt Geborgenheit. Leuteneggers Werk fügt sich einmalig in die architektonische Sprache von Staufer & Hasler Architekten ein und verbindet den Raum zu einer Einheit.
 

Technik

Wandbild 4 x 12 m mit drei animierten Lampen
Deckenbild 8 x 8 m mit integrierten Leuchtkörpern

Standort: Restaurant H, Hauptstandort

Bild
Prima Cucina, Wandbild von Zilla Leutenegger im Restaurant H am Hauptstandort
Prima Cucina, Wandbild von Zilla Leutenegger im Restaurant H am Hauptstandort
Bild
Prima Cucina, Deckenbild von Zilla Leutenegger im Restaurant H am Hauptstandort
Prima Cucina, Deckenbild von Zilla Leutenegger im Restaurant H am Hauptstandort

In den drei Innenhöfen des KSGR realisiert Christian Herdeg drei Ellipsen. Eine Urform, die an die Umlaufbahn von Planeten erinnert, die hier ruhig und fast meditativ ihre Runden drehen und so Ruhe an den Ort bringt. 

Die erste Ellipse wurde im Rahmen der ersten Bauphase bereits installiert. Die beiden anderen folgen bis 2026 und werden dem zweiten und dritten Innenhof durch eine je andere räumliche geometrische Anordnung sowie unterschiedliche Farbgebung Identität verleihen.

Im Fall vom KSGR wirkt Herdegs Werk besonders gelungen, da Kunst und Architektur in engem Zusammenspiel stehen. Die hochglanzlackierte Decke reflektiert auf wunderbare Art die Farbwirkung der LED. Durch die mannigfaltige Spiegelung multipliziert sich das Werk und bricht aus der Strenge seiner geometrischen Form aus, was ihm eine gewisse Verspieltheit verleiht. Jede neue Perspektive erschliesst wieder neue «Geheimnisse» des Werks – geschichtet und vielfach gespiegelt.

Mit seinen Farbbezeichnungen bringt Christian Herdeg Erinnerungen an Orte in die KSGR-Welt. Das Rot der ersten Ellipse «Uluru» ist der Name der australischen Ureinwohner für ihr Heiligtum, den Ayers Rock, der im Sonnenschein der Abendsonne genau dieses Rot trägt.
 

Technik

Lichtellipse 12.80 x 5 m, gebürstete Aluminiumprofile, LED-Lichter, High-Tech-Textilien
G: 180 kg

Standort: Innenhof Hauptstandort

Bild
Lichtellipse von Christian Herdeg im Innenhof am Hauptstandort
Lichtellipse von Christian Herdeg im Innenhof am Hauptstandort

Sepp Pfiffner ist ein Churer Künstler, der sich als den Vater der Langhälse, auch Grinder genannt, bezeichnet. Angeregt wurden diese Motive ursprünglich durch Kopffüssler, Zeichnungen seiner Kinder. Es sind Werke, die eine ganz eigene Formensprache und hohe Wiedererkennbarkeit haben und typisch für den Künstler sind, der neben der Bildhauerei auch malt.

Mit der Renovation des Brunnens wurden die drei Langhälse 2021 restauriert, neu platziert und ausgerichtet, so dass sie wieder mehr Beachtung erhalten. 
 

Technik

Kunststeinguss, 3 Multiples

Standort: Eingang Kreuzspital, Brunnenanlage

Bild
«Grinder» Brunnenanlage von Sepp Pfiffner am Standort Kreuzspital
«Grinder», Brunnenanlage von Sepp Pfiffner am Standort Kreuzspital

Turo Pedrettis Mosaik «Krankheit und Genesung» zeichnete 1940 als Brunnenanlage den Haupteingang vom damaligen Kantonsspital aus. Mit der Umgestaltung des ehemaligen Haupteingangs 2020 zur Zufahrt Notfall, wurde der Brunnenteil abgeschnitten und lediglich das Mosaik stehen gelassen. Dieses wurde mit Beizug der Denkmalpflege sowie Unterstützung von Sponsoren sanft restauriert. Ein «stilles Werk» mit dezenten Farben, vielleicht etwas verblasst nach so vielen Lebensjahren. So verschmilzt es fast mit der Bergwelt im Hintergrund. 

Während der zweite Weltkrieg rund um die Schweiz tobte, stellte der aus dem Engadin stammende Künstler die medizinische Welt fast als eine Art von Enklave dar. Der Arzt als «Gott in Weiss» ist Mittler zwischen zwei Welten: Kranke und Gesunde. Was für ein Menschenbild hatte er vor Augen? Warum ist der Bub nackt und das Mädchen angezogen? Welche Symbolik hat der Kaktus? 

Das Mosaik gilt als ein Hauptwerk in Pedrettis Schaffen und gehört zu den bedeutenden Mosaikwerken des 20. Jahrhunderts in der Schweiz.
 

Technik

Mosaik
Masse: 325 x 890 cm

Standort: Eingang Notfall, Hauptstandort

Bild
«Krankheit und Genesung», Mosaik von (Ar)Turo Pedretti am Eingang Notfallstation
«Krankheit und Genesung», Mosaik von (Ar)Turo Pedretti am Eingang Notfallstation, Hauptstandort

Mobile Werke in und um das KSGR

Hans Thomann befasst sich in seinem Schaffen als Bildhauer und Maler auf subtile Art und Weise mit den verschiedensten Facetten des Menschen im Wandel des gerade herrschenden Menschenbilds unserer Gesellschaft. 

«AufAuf wo bitte schön geht’s zum Paradies?» ist ein Werk aus Thomanns Serie der «vielschichtigen Menschen». Diese offenbaren sich aus jeder Perspektive neu. Mal verschlossen, dann ganz transparent und manchmal verschmelzen einzelne Schichten zu Formen, etwa einem Herz im Brustkorb des stehenden Menschen. Betrachtet man die Schichtungen genau, so kann man Parallelen zwischen der menschlichen und der geografischen Topografie erkennen. Das Werk wurde mittels der in der Medizin verwendeten Technik der Computer-Tomographie künstlerisch realisiert. 
 

Technik

Eisenskulptur
Masse: H: 3.2 m

Standort: Spitalgarten Standort Fontana

Bild
«AufAuf, wo bitte schön geht's zum Paradies?», Eisenskulptur von Hans Thomann am Standort Fontana
«AufAuf, wo bitte schön geht's zum Paradies?», Eisenskulptur von Hans Thomann am Standort Fontana

Etienne Krähenbühl ist ein Künstlerforscher. Aus der fruchtbaren «Reibung» von Kunst und Wissenschaft überwindet er immer wieder die Grenzen der Materie und lässt daraus Werke entstehen, die in ihrer Beweglichkeit und Poesie zwischen Monumentalität und Leichtigkeit spielen.

Die Säule mit elf mobilen Schichten bewegt sich aus ihrer Mitte heraus – wenn der Wind stark bläst, oder wenn man diese Schichten durch eine sanfte Berührung leicht anstösst, schwingen sie länger nach.
Das Werk spielt auch auf die werdende Mutter an und den glücklichen Moment, wenn man das erste Mal spürt, dass sich das Baby im Bauch zu bewegen beginnt.
 

Technik

Eisenskulptur, rostfreier Stahl
Masse: H: 3.12 m, B: 0.85 m, T: 0.85 m, G: 1 to

Standort: Spitalgarten Standort Fontana

Bild
«Säule mit 11 mobilen Schichten», Eisenskulptur von Etienne Krähenbühl am Standort Fontana
«Säule mit 11 mobilen Schichten», Eisenskulptur von Etienne Krähenbühl am Standort Fontana

29 Figuren, verteilt über ein achtteiliges Ferrozement-Fries, säumen den Weg im langen Verbindungsgang zum Haus N. Die dargestellten Figuren helfen einander, tragen etwas, reichen etwas weiter. Eine wunderbare Metapher zu den am Kantonsspital Graubünden (KSGR) arbeitenden Menschen. 

Das Werk wurde als «Kunst-Up-Cycling» vom Künstler erworben und bekam am KSGR ein «zweites Leben». Am ursprünglichen Standort waren viele Wände Glastrennwänden gewichen, so dass ein solches Werk keinen Platz mehr hatte. Sowohl von seiner Dynamik als auch von seiner Farbgebung her wirkt das Werk so perfekt, als wäre es für diesen Ort entstanden. 
 

Technik

Ferrozement-Fries in 8 Teilen
Masse: L: 17.52 m, H: 0.45 m, T: 0.08 m

Standort: Verbindungsgang Haus N, Hauptstandort

Bild
«Zum Glück», Ferrozement-Fries von Hans Thomann im Verbindungsgang zum Haus N, Hauptstandort
«Zum Glück», Ferrozement-Fries von Hans Thomann im Verbindungsgang zum Haus N, Hauptstandort

Das Kinderspital fällt durch seine markante «Aussenhaut» auf. Die Architekten gestalteten alle Fenster als «Tangram» mit jeweils anderen farbigen geometrischen Aufteilungen. Im Innern dieser Fenster befinden sich Sitznischen als Rückzugsort für die hospitalisierten Kinder. An Magnetwänden in den Zimmern können die kleinen Patienten Fotos, Bilder, etc. aufhängen. Kunst ist auf den Gängen der vier Stockwerke und bespielt diese thematisch. 

M5: Kommunikation zwischen Andreas Durrers abstrakten Naturstimmungen und Robert Indermaurs «Tollhäusern» (Wolkenkratzer, Kindertag und Flugstunde), speziell für die Kinderklinik konzipiert. 

M4: Kommunikation zwischen Yvonne Gienals Werken der Serien Berggeflüster sowie Aluis C. (eine Referenz an den Bündner Maler Carigiet) mit Cosimo Gritschs Karneval der Tiere.

M3: Wochenklinik Medizin mit (rundum desinfizierbaren) Glas-Werken von Thomas Woodtli, die dieser für die Kinderklinik konzipiert hat. 

M2: Gesichter der Künstlerin Lucia Coray in vielen Variationen für das Stockwerk der Angehörigenzimmer sowie Schulzimmer.
 

Diverse Techniken

Standort: Kinderklinik auf allen vier Stockwerken