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Wie funktioniert die Radiotherapie?

An den durchstrahlten Körperbereichen wird durch die Strahlung Energie an das Körpergewebe bzw. an den Tumor abgegeben. Durch diese Energieabgabe werden verschiedene physikalische und chemische Vorgänge ausgelöst, welche eine Schädigung der Zelle und im Besonderen der DNS im Zellkern zur Folge hat.

Die DNS ist für das Funktionieren der Zelle von enormer Bedeutung. Eine Schädigung dieser Struktur hat zur Folge, dass sich die Zelle nicht mehr korrekt teilt und dass ihre lebenswichtigen Funktionen erheblich gestört werden. Wenn der Schaden gross genug ist, wird die Zelle schliesslich sterben.

Im Gegensatz zur Tumorzelle kann die gesunde Zelle solche Schäden sehr oft reparieren. Der Unterschied in der Reparaturfähigkeit kann nun in der Strahlentherapie ausgenutzt werden.

Was sind Strahlen?

Strahlen kommen in der Natur überall vor (Sonnenstrahlung, Wärmestrahlung, Erdstrahlung, kosmische Strahlung). Neben der natürlichen Strahlung gibt es die künstliche, vom Menschen erzeugte Strahlung. Wir unterscheiden zwischen elektromagnetischer Wellenstrahlung (Photonen) und Teilchenstrahlung (Elektronen, Protonen, Neutronen). Mit dem Linearbeschleuniger werden hochenergetische Röntgenstrahlen (Photonen) erzeugt. Diese Strahlen haben eine grosse Eindringtiefe. Damit können die über dem Tumor liegenden Gewebe und Organe gut geschont werden.

Neben den Photonen können mit dem Linearbeschleuniger auch Elektronen – negativ geladene Teilchen – erzeugt werden. Diese Elektronen haben eine begrenzte Reichweite, welche von ihrer Energie abhängig ist. Sie werden hauptsächlich zur Behandlung von oberflächlichen Tumoren benutzt.

Auch andere Teilchen wie Neutronen, Protonen, Schwerionen können für die Tumorbehandlung genutzt werden. Ihre Erzeugung ist jedoch sehr aufwändig. Daher gibt es weltweit nur wenige Zentren, welche diese Form von Radiotherapie anwenden. Dazu gehört auch das Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen/AG.

Was bedeutet perkutane Radiotherapie ?
Was bedeutet Brachytherapie?

Bei der perkutanen Radiotherapie befindet sich die Strahlenquelle ausserhalb des Körpers. Die Strahlung gelangt durch die Haut (perkutan) in das darunter liegende Gewebe zum Zielort.

Bei der Brachytherapie wird eine radioaktive Quelle (z.B. Iridium) via eine Körperhöhle an den Tumor (intrakavitäre Brachytherapie) oder sogar direkt in den Tumor (interstitielle Brachytherapie) gebracht. Wegen der begrenzten Reichweite der Strahlung können so im Tumor sehr hohe Bestrahlungsdosen appliziert werden ohne die umgebenden Strukturen übermässig zu belasten. Beim Nachladeverfahren (Afterloading) werden die Strahlenquellen erst nach Platzierung dünner Schläuche ferngesteuert aus einem abgeschirmten Tresor an den Ort der Therapie gebracht. Mit dieser Methode kann eine unnötige Strahlenbelastung des medizinischen Personals vermieden werden.

Bin ich nach einer Radiotherapie radioaktiv?

Diese Frage ist mit einem klaren NEIN zu beantworten. Sie sind somit für die Umgebung keine Gefahr.

Warum braucht es so viele Bestrahlungen?

Um einen Tumor wirksam zu bekämpfen, benötigt man eine bestimmte Bestrahlungsdosis. Diese Dosis ist abhängig von der Tumorgrösse und Art des Tumors sowie unserer Zielsetzung. Die Erholungsfähigkeit der gesunden Zelle wird bestimmt durch die Einzeldosis. In bestimmten Situationen werden die Patienten/innen sogar 2 Mal täglich bestrahlt. Damit kann die Bestrahlungsdosis weiter erhöht werden bei gleichen Risiken. Je tiefer die Einzeldosis, desto besser die Erholungsfähigkeit der gesunden Gewebe, desto geringer die Risiken für Spätschäden.

Wird die Dosis jeden Tag erhöht?

Die tägliche Einzeldosis bleibt in der Regel gleich. Der Therapieeffekt (Wirkung auf den Tumor, akute Nebenwirkungen) wird durch die Summe aller Bestrahlungen erreicht.

Ist die Radiotherapie schmerzhaft?

Röntgenstrahlen sind weder sichtbar noch spürbar. In seltenen Fällen, bei welchen eine Bestrahlung im Bereich des Riech- und Sehnervs erfolgt, können die Patienten/innen etwas riechen oder blaue Blitze sehen.

Fallen meine Haare aus?

Die Haare fallen nur dann aus, wenn Sie im Bereich der Kopfhaut bestrahlt werden. Der Haarausfall beginnt ab dritter Bestrahlungswoche. Meistens wachsen die Haare wieder nach. Gelegentlich kann in einem umschriebenen Bereich der Haarausfall definitiv sein.

Darf ich eine Bestrahlungspause machen?

Wenn möglich sollten längere Bestrahlungsunterbrüche vermieden werden. Bei längeren Pausen besteht bei bestimmten Tumoren die Gefahr, dass sie wieder nachwachsen können.

Warum muss schon wieder eine Computertomographie gemacht werden?

Die zu diagnostischen Zwecken gemachten Computertomogramme können für die Therapieplanung nicht benutzt werden, da sie nicht in Therapieposition angefertigt wurden. Die exakte Lagerung ist ein wesentlicher Bestandteil in der Durchführung einer Radiotherapie.

Gibt es einen Strahlenkater?

Da die Bestrahlung nur dort wirkt, wo sie eingesetzt wird, treten meistens keine schwerwiegenden Allgemeinsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder starke Müdigkeit auf.

Warum muss ich alleine im Bestrahlungsraum sein?

Die Bestrahlungen müssen gemäss den Strahlenschutzverordnungen in einem speziell abgeschirmten Raum stattfinden. Ebenso muss das Personal den Bestrahlungsraum während der eigentlichen Therapie verlassen. Wir haben jedoch mit Ihnen über eine Gegensprechanlage und Fernsehkamera ständigen Kontakt.

Kann durch eine Radiotherapie nicht auch Krebs ausgelöst werden?

Bei dieser Frage denkt man in erster Linie an die schrecklichen Reaktorunfälle und an die im letzten Krieg abgeworfenen Atombomben. Bei diesen Ereignissen wurde der gesamte Körper der Menschen in sehr kurzer Zeit einer hohen Strahlendosis ausgesetzt. In der Folge sind dann bei den Überlebenden vermehrt Tumoren, insbesondere Leukämien aufgetreten. Bei der Strahlentherapie erhalten die Patienten/innen über eine lange Zeit in einer begrenzten Körperregion eine bestimmte Strahlendosis. Die gesunde Zelle hat die Fähigkeit, durch eine solche Behandlung gesetzten Schaden zu reparieren. Das Risiko, durch eine Strahlenbehandlung einen Tumor auszulösen, ist sehr klein. Die Gefahren eines bösartigen Tumors sind um das Vielfache grösser.