Marroni im Gesundheitscheck | Kantonsspital Graubünden

Marroni im Gesundheitscheck

20. Okt. 2022
Sie gehören zum Herbst wie der Glühwein zum Weihnachtsmarkt: geröstete Marroni. Patrizia Lutz studiert Ernährungstherapie und macht ein Praktikum am KSGR. Sie nimmt die Edelkastanie etwas genauer unter die Lupe.

Die Tage werden langsam kühler, die Sonnenstunden weniger und die Bäume und Wälder strahlen in den schönsten Herbstfarben. Wer liebt ihn nicht; den Herbst mit den wunderschönen Spaziergängen und dem Duft von heissen Marroni in der Luft? Die Edelkastanie mit ihrem süsslich-herb und mehlig-festem Geschmack ist eine Herbstdelikatesse und bietet als Alljahresklassiker viele Zubereitungsmöglichkeiten. Doch wie gesund ist die Marroni eigentlich?

Perfekter Energielieferant

Die fettarme Nuss-Frucht ist nicht nur lecker, sondern liefert auch diverse wichtige Vitamine, Mineralstoffe und enthält nebenbei noch essentielle Aminosäuren. Im Vergleich zur Kartoffel liefert die Marroni einen rund doppelt so hohen Stärkegehalt und ist somit ein perfekter Energielieferant. Die langanhaltenden Kohlenhydrate sättigen uns schnell und lassen den Blutzucker nur langsam ansteigen. Weiter sind sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die antioxidativ und somit entzündungshemmend in unserem Körper wirken. Wer also der winterlichen Grippe entgegenwirken möchte, darf am jährlichen Herbstmarkt reichlich zur heissen Marroni greifen.

Marroni sind glutenfrei. Das heisst, sie sind für Zöliakie-Erkrankte geeignet. Aufgrund des hohen Kohlenhydratanteils eignen Sie sich ideal als energieliefernder Snack und auch als Hauptmahlzeit. Da sie den Blutzucker nur sehr langsam steigen lassen, können auch Diabetiker die Nuss-Frucht geniessen – aber immer in Massen.

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Marroni im Gesundheitscheck
Die Marroni ist keine eigenständige Art, sondern eine spezielle Züchtung der Edelkastanie. Dabei unterscheidet sie sich von der Edelkastanie lediglich in Geschmack, Fruchtform und Grösse.

Vitaminreicher Glücklichmacher mit einer Menge Kalium

Die Marroni ist reich an Vitamin B6, das am Fettstoffwechsel und an der Regulierung des Immunsystems beteiligt ist. Zudem entsteht aus dem Aminosäurestoffwechsel das Glückshormon Serotonin. Marroni machen glücklich. Die grossen Mengen an Vitamin B1 stärken die Nerven

Marroni sind reich an Kalium, das den Natriumspiegel des Blutes reguliert und somit Schlaganfällen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt. Die Marroni ist somit optimal für Herz-Kreislauf-Patient:innen. Achtung bei Nierenerkrankungen: mit Vorsicht geniessen.

Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Nuss-Frucht senken den Cholesterinspiegel. Nahrungsfasern wirken sich positiv auf die Verdauung aus und senken das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, den Cholesterin- sowie auch den Blutzuckerspiegel. Zudem sorgen sie für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl. Die tägliche Empfehlung für Aufnahme von Nahrungsfasern liegt bei mind. 30g für Erwachsene. Da Marroni Nahrungsfasern enthalten, sind sie für Personen mit Verdauungsbeschwerden gut geeignet.

Marroni vs. Kastanie

Man muss zwischen der Rosskastanie und der Edel- oder Esskastanie unterschieden. Die Rosskastanie ist für den Menschen ungeniessbar und führt zu Bauchbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen. Die Rosskastanie unterscheidet sich von der Edelkastanie durch ihre Frucht-, Blatt- und Blütenform sowie durch die Hülle. Jene der Edelkastanie hat feine, scharfspitzige Stacheln, diejenige der Rosskastanie dicke, weichere. Auch die Blätter der Bäume sind unterschiedlich: Die Edelkastanie hat ein einfaches, die Rosskastanie ein handförmig zusammengesetztes Blatt.

Die Marroni ist keine eigenständige Art, sondern eine spezielle Züchtung der Edelkastanie. Dabei unterscheidet sie sich von der Edelkastanie lediglich in Geschmack, Fruchtform und Grösse.

Von Kleinasien in den Mittelmeerraum

Die Herkunft der Marroni wird in Kleinasien vermutet. Es wird davon ausgegangen, dass die Römer die Marroni etwa vor 2000 Jahren im Mittelmeerraum verbreitet haben. Die Baumart fühlt sich vor allem bei Temperaturen von 8 – 15 Grad Celsius wohl – die Herbstmonate sind daher optimal. Der Baum mit einer Höhe von 15-33 Metern kann über 500 – 600 Jahre alt werden und wird daher auch öfters «Baum der Weisheit» genannt.