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Pflegekonzept der Kinderintensivstation

Pflegeteam

30 Pflegefachfrauen sowie 5 Pflegeassistentinnen bilden das Pflegeteam der Kinderintensivstation des Kantonsspitals Graubünden. Mehrere Mitglieder unseres Teams haben die Weiterbildung zur Fachschwester bzw. zum Fachpfleger für Pädiatrie und Intensivmedizin absolviert. Die Station ist auch Ausbildungsstätte für Lernende zur dipl. Pflegefachfrau (HF) sowie für Schülerinnen der Hebammenschule.

 

Unser Pflegekonzept

Auf unserer Station betreut eine Pflegefachkraft im Durchschnitt zwei bis drei Patienten. Schwerkranke Hochrisikopatienten werden allerdings von einer Schwester alleine versorgt.

  


Bei Früh- und Neugeborenen wenden wir das Prinzip des "minimal handling" an. Das Konzept besteht darin, so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig an medizinischen Handlungen durchzuführen. Ein schonender, das Kind möglichst wenig belastender Umgang, ist uns sehr wichtig. Wir geben dem Kind die Zeit, Ruhe und Geborgenheit, die es benötigt, um seine Genesung und die körperliche Reife zu erlangen. Dieser Prozess soll durch medizinische und pflegerische Routine-Massnahmen möglichst wenig gestört werden. Ein wichtiges Element des "minimal handling" ist die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse unserer kleinen Patienten und ihrer Familien.

Auf unserer Station arbeiten wir auch nach dem Konzept der basalen Stimulation. Insbesondere in der neonatologischen Intensivpflege nimmt die basale Stimulation einen hohen Stellenwert ein. Ein Mensch braucht umso mehr Zuwendung, je näher er am Anfang seines Lebens steht oder je weiter er in seiner Entwicklung zurückgeworfen ist. Heranreifende Kinder sind bereits lange vor der Geburt in der Lage, Sinnesreize aufzunehmen. Sie erfahren mit der Geburt nicht nur den teilweisen Verlust dieser ihnen bekannten Reize, sondern auch neue und zum Teil unangenehme Reize.

Hier zeigt sich, dass die Aufgabe der basalen Stimulation nicht nur in der Aufrechterhaltung der als angenehm empfundenen Reize bestehen kann, sondern auch in der Vermeidung bzw. Einschränkung der unangenehmen Reize bestehen muss. Das Ziel der basalen Stimulation besteht also darin, eine individuelle Festlegung der Reizangebote bezüglich ihrer Art, Dauer und Stärke vorzunehmen.

Allgemeine Elterninformationen

Besuchszeiten
Zu jeder Tages- und Nachtzeit haben Sie die Gelegenheit, Ihr Kind zu besuchen. Es besteht lediglich die Regel, dass sich maximal 2 Personen gleichzeitig beim Bett des Kindes aufhalten sollten, z.B. beide Elternteile, oder ein Elternteil mit einer anderen, nahe stehenden Person. Medizinische Auskünfte erteilen wir ausschliesslich an Eltern.

Visiten- und Übergabezeiten
Von 14.00 bis 15.00 Uhr halten wir den Pflegerapport ab. Wir bitten Sie, in dieser Stunde nicht auf der Station zu sein.
Die Visite findet in der Regel ab 9.30 Uhr statt. Aus Gründen des Datenschutzes für die Kinder in den Nachbarbetten ersuchen wir Sie, sich in dieser Zeit nicht im Raum ihres Kindes aufzuhalten. Es kann noch andere spezielle Situationen geben, in denen wir Sie bitten müssen, kurz den Raum zu verlassen, z.B. während Röntgenuntersuchungen oder besonderen ärztlichen Eingriffen.

"Mamizimmer"
Leider ist es auf unserer Intensivstation nicht möglich, direkt neben Ihrem Kind zu schlafen. Wir können Ihnen aber ein „Mamizimmer“ anbieten, welches sich im Spital befindet. Somit sind Sie immer in erreichbarer Nähe, können sich aber auch zwischendurch einmal zurückziehen.

  

 

Miteinbeziehen der Eltern
Ihr Mitwirken ist für das Gesundwerden Ihres Kindes sehr wichtig. Wir werden Sie deshalb so früh wie möglich in die Pflege Ihres Kindes mit einbeziehen. Anfänglich werden Sie unter Anleitung schrittweise das Waschen, Baden, Wickeln, Eincremen, Füttern,… selbst übernehmen. Selbstverständlich steht Ihnen auf Wunsch weiterhin immer jemand zur Seite. Bringen Sie persönliche Sachen von zu Hause mit, z.B. ein Kuscheltuch, eine besprochene CD oder Kassette oder eine vertraute Spieluhr, bei älteren Kindern das Kuscheltier oder das Lieblingsspielzeug. Indem Sie Ihrem Kind eine liebevolle Umgebung gestalten, erleichtern Sie ihm den Spitalaufenthalt.

Känguruhn
Ende der 70-er Jahre hatte ein kolumbianischer Kinderarzt mangels Isoletten die Frühgeborenen einfach ihren Müttern an den nackten Körper gebunden, und wider Erwarten blieben ihre Lebensfunktionen stabil - die „Känguruh - Methode“ war erfunden!

Wir ermuntern Sie zum Känguruhn, sobald der Gesundheitszustand Ihres Kindes es zulässt. Känguruhn bedeutet Nähe und Hautkontakt zum Kind. Dazu liegen Sie gemütlich in einem speziellen Stuhl und ihr Kind liegt Ihnen nackt auf der Brust. So spürt es Ihre Wärme, Ihren Herzschlag und den Atemrhythmus, riecht den bald vertrauten Geruch und hört die bekannte Stimme.
Ihnen selbst hilft die Nähe, sich in der neuen Situation zurechtzufinden und eine intensive Beziehung zu Ihrem Kind aufzubauen.

Wenn Sie zum "Känguruhn" kommen, sollten Sie mindestens 2 Stunden Zeit mitbringen, damit diese besondere Kontaktphase für Ihr Kind nicht zu kurz ist. Sie sollten sich so entspannt wie möglich in den Lehnstuhl setzen, tragen Sie also am besten bequeme Kleidung.

Initialberührung
Die Initialberührung ist ein wichtiges Element der Basalen Stimulation. Damit ist eine Berührung gemeint, die auf Kontaktaufnahme hinweist. Auf unserer Station wenden wir bei allen Patienten die Initialberührung an. Das heisst, wir berühren ihr Kind zu Beginn einer Pflegehandlung sanft an einer geeigneten Körperstelle (Beispiel: Neugeborene am Kopf, grössere Kinder an der rechten Schulter). Damit signalisieren wir dem kleinen Patienten, dass nun eine Handlung folgen wird. Die Initialberührung ergänzt die verbale Ansprache. Zum Abschluss erfolgt nochmals die Berührung an derselben Stelle.

Stillen
Die Muttermilch ist in ihrer Zusammensetzung dem Bedarf des Kindes optimal angepasst und bietet die besten Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung, dies gilt besonders auch für Frühgeborene.

Während der Stillzeit sollten Sie eine abwechslungsreiche, ausgewogene Kost zu sich nehmen, die auch Gemüse, Obst und Vollkornprodukte enthält. Besonders ist auf den täglichen Kalziumbedarf zu achten, reichlich Kalzium ist z.B. in Milchprodukten enthalten. Trinken Sie täglich zusätzlich zu ihrer gewohnten Flüssigkeitsmenge soviel Flüssigkeit, wie Sie über die Muttermilch abgeben. Passende Getränke sind Tee, Wasser, Milch und begrenzte Mengen an Obstsäften und Milchkaffee.

Weiterhin ist zu beachten:

  • keine Speisen zu sich nehmen, die Blähungen verursachen (z.B. Kohl, Zwiebeln, Bohnen usw.)
  • Vorsicht bei Zitrusfrüchten, da sie Hautreaktionen hervorrufen können
  • Kaffee und schwarzer Tee sind bei unruhigen Kindern zu meiden 
  • kein Alkohol und Nikotin 
  • Informieren Sie uns bei Medikamenteneinnahmen

Pflege der Brust 

  • Tragen Sie einen bequemen und passenden BH 
  • Waschen Sie sich vor jedem Stillen gründlich die Hände
  • Desinfizieren Sie die Hände auf Station
  • Nach dem Stillen lässt man die Muttermilch auf der Brustwarze antrocknen, dies hat einen entzündungshemmenden Effekt
  • Zum Schluss werden die Stilleinlagen aufgelegt, somit schützen Sie die Brust vor Infektionen

Wenn Ihr Kind noch nicht an der Brust trinken kann, gibt es die Möglichkeit, die Milch abzupumpen und über eine Sonde zu füttern. Beim Abpumpen wird die Brust in der gleichen Weise gepflegt wie beim Anlegen des Kindes. Sterile Flaschen und Namensetiketten zum Transport der Milch erhalten Sie bei uns. Diese müssen mit Datum und Uhrzeit beschriftet werden. Es ist sehr wichtig, dass die Milch direkt nach dem Abpumpen tiefgekühlt wird. Transportieren Sie die Milch unbedingt in einer Kühltasche.

Falls einmal keine ausreichende Menge an Muttermilch zur Verfügung steht oder diese aus einem speziellen Grund nicht gefüttert werden darf, setzen wir spezielle Schoppen-Milchen ein, die dem Bedarf Ihres Kindes angepasst sind. Ausserdem besteht die Möglichkeit, Milch von Spenderinnen aus einer Milchbank zu holen.

Die Anzahl der Milchmahlzeiten ist abhängig von Alter, Nahrungsverträglichkeit und Gesundheitszustand Ihres Kindes.
Häufig klappt es mit dem Stillen nicht so, wie Sie sich das gewünscht haben. In unserem Haus stehen Ihnen kompetente Stillberaterinnen zur Seite, die sich gerne Zeit nehmen und Sie bei Startschwierigkeiten unterstützen.

  

 

Isolette
Damit Ihr Baby es schön warm hat, geschützt ist und wir es besser beobachten können, liegt es in einem Brutkasten, den wir "Isolette" nennen. In der Isolette herrscht ein angenehmes Mikroklima mit geregelter Luftfeuchtigkeit und Temperatur. So wird Ihr Kind vor Auskühlung geschützt und die Haut und die Atemwege trocknen nicht aus. Um das Kind vor einer Überfülle an Reizen /Reizüberflutung zu schützen, ist die Isolette häufig mit einem Tuch abgedeckt. Grundsätzlich dürfen und sollten Sie Ihr Kind streicheln und auch mit ihm sprechen.

Überwachung
Mit Elektroden auf Brust und Bauch werden bei allen Kindern die Atem- und die Herzfrequenz kontrolliert. Über eine kleine "rote Lampe" an Hand oder Fuß kann der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen werden. Es gibt noch weitere Überwachungsmöglichkeiten, die wir ihnen gerne am Bett erklären. Mit der Überwachung wird laufend darauf geachtet, dass die Körperfunktionen Ihres Kindes in Ordnung sind. Die Überwachung ist für Ihr Kind völlig schmerzfrei.

Der Monitor und andere technische Geräte haben verschiedene Klänge für Alarme unterschiedlicher Bedeutung. Das Personal kann diese selbstverständlich voneinander unterscheiden. Sie sollten wissen, dass ein Alarm nicht automatisch eine Gefährdung Ihres Kindes bedeutet, es kann sich z.B. auch einfach nur eine Elektrode gelöst haben. Wir verfügen zusätzlich über einen zentralen Überwachungsmonitor, mit dessen Hilfe wir auch über den Zustand Ihres Kindes informiert sind, wenn wir nicht im Zimmer sein sollten. 

Magensonde
Wahrscheinlich ist Ihnen auch schon das kleine, weiße, herzförmige Pflaster auf der Wange Ihres Kindes aufgefallen. Damit ist die Magensonde fixiert. Die Magensonde ist ein weicher Schlauch, der meist durch die Nase, manchmal auch durch den Mund in den Magen führt. Über diese Sonde erhält Ihr Kind die Nahrung, wenn es diese nicht in ausreichender Menge selber zu sich nehmen kann. Dies erfolgt mit Hilfe einer Spritze, die wir an den Schlauch anstecken. Nach einer ausführlichen Anleitung von uns wird es Ihnen möglich sein, das „Sondieren“ bei ihrem Kind selbst zu übernehmen. 

Infusionen / Zugänge
Häufig brauchen die Kinder auf der Intensivstation einen „Venenzugang“, eine Infusion. Dabei wird ein kleiner, biegsamer Kunststoffschlauch in eine Vene geschoben, durch den eine Nährlösung direkt in die Blutbahn gegeben werden kann. Diese enthält Zucker und Salze, Eiweiß, Fette, Spurenelemente und Vitamine. Überdies sind die Zugänge sehr wichtig, um ihrem Kind Medikamente zu geben oder in einzelnen Fällen auch schmerzfrei Blut abzunehmen.

   

 

Phototherapie
Eine Gelbfärbung der Haut entsteht durch Einlagerung von Bilirubin. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs, das nach der Geburt in grosser Menge anfällt. Daher tritt ein gewisses Mass an Gelbfärbung bei fast allen Neugeborenen auf. In kleinen Mengen ist Bilirubin ungefährlich, ein höherer Gehalt im Blut wird für Gehör und Gehirn schädlich. 

Frühgeborene und kranke Neugeborene können häufig das Bilirubin nicht rasch genug ausscheiden. Wenn der Bilirubinspiegel über der gewichts- und altersabhängigen Norm liegt, benötigt ihr Kind eine Phototherapie. Dabei legen wir Ihr Kind nackt unter ein blaues Licht. Bestimmte Wellenlängen im blauen Bereich des Lichtes wandeln das in der Haut vorhandene Bilirubin in leicht ausscheidbare Abbauprodukte um. Ihr Kind bekommt während der Phototherapie eine kleine Brille aufgesetzt, welche die Augen für diese Zeit schützt. 

Seelsorger
Es gibt in unserem Haus mehrere Seelsorger, die Ihnen in der schwierigen Situation einer Frühgeburt oder der Erkrankung Ihres Kindes hilfreich zur Seite stehen. Sprechen Sie Probleme und Bedürfnisse an, damit wir Ihnen den Aufenthalt bei uns erleichtern können.